Impuls zum 2. August 2026
Von Odilo Metzler (Stuttgart), pax christi-Bundesvorsitzender
Teilen: Antwort auf Gottes Güte
1. Lesung: Jesaja 55,1-3 Kommt und esst – ohne Geld
2. Lesung: Römer 8,35.37-39 Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes
Evangelium: Matthäus 14,13-21
Als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen, hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.
Gedanken zum Evangelium
Nach der Hinrichtung des Johannes braucht Jesus Ruhe und will in seiner Trauer allein sein. Er ahnt wohl, dass es auch sein Schicksal sein könnte. Und dennoch lässt er sich von der Not der Menschen, die ihm folgen, anrühren, heilt und nimmt sich ihrer an. Die Jünger werden nervös angesichts der vielen Menschen, die Hunger haben werden, je später es wird. Sie sollen gehen und sich was zu essen kaufen. Nun geht es nicht mehr um ihr Lebensbedürfnis, sondern um ihre Kaufkraft. Was man zum Leben braucht, soll der Markt regeln.
Den Jüngern geht es wie vielen bei uns mit denen, die in ihrer Not zu uns kommen: Sie wollen sie loshaben. Die sollen sich selbst um sich kümmern.
Jesus widerspricht seinen Freunden: Die Menschen sollen bleiben. Gebt ihr ihnen zu essen!
Diese Handlungsanweisung ist eine Maxime für das Zusammenleben der Menschheitsgeschwister: Nicht die Kaufkraft und der Markt sollen über die Möglichkeit zum Leben entscheiden, sondern die Übernahme von Verantwortung, Solidarität und Teilen. Das ist die Antwort auf die Güte Gottes. Denn die Güter der Erde reichen für alle.
Wo dies verweigert wird, wird Gottes Herrschaft verweigert. Jesus hat das drastisch zu einem jungen Mann gesagt, dem sein Besitz wichtiger war als ein „Schatz im Himmel“ und der traurig wegging: „Ein Reicher wird schwer in das Himmelreich kommen.“ Und: „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mt 19,23-24)
Jean Ziegler Jean Ziegler, der kürzlich verstorbene ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat es so formuliert: „Der Hunger ist meiner Ansicht nach der absolute Skandal unserer Zeit. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Fast eine Milliarde Menschen auf der Welt haben Hunger. Nicht der kapitalistische Markt sollte darüber entscheiden, wer Zugang hat und wer nicht.“ Und: „Ein Kind das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. Der Hunger ist menschengemacht.“ Laut Oxfam ist im Jahr 2025 das Vermögen von Milliardär:innen um 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen. Dieser Anstieg in einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Das sind fast vier Milliarden Menschen.
Jesus zeigt die Welt, die von der Ökonomie der Solidarität und des Teilens, nicht des Raffens bestimmt wird: Alle werden satt, und es bleibt genügend übrig. Der Hunger verwandelt sich in ein Festmahl, und das wird zum Vorgeschmack des Himmels.
Gebet
Gott, du siehst mit Mitgefühl auf alle Menschen und siehst, was sie zum Leben brauchen. Du schenkst der Menschheitsfamilie, was sie zum Leben braucht und hast uns in Jesus gezeigt, dass Geschwisterlichkeit bedeutet, zu teilen und füreinander einzustehen. Lass uns so leben, dass nicht der Ort der Geburt über Leben und Tod entscheidet, sondern unser Leben auf der Erde zum Fest für alle wird.