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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Theaterprojekt 'Schneewittchen – Eine moderne Version'

25. Jul 2019

Kinder sollte es erlaubt sein, ihren Träumen zu folgen! - Das war die Botschaft, die Kinder aus Shuto Orizari, Nord-Mazedonien, mit ihrem selbstentwickelten Theaterstück vermittelten.

Mittwoch morgen, 10:00 im Bildungszentrum des Zentrums für Soziale Initiativen Nadez. Tische, an denen eben noch Kinder ihre Hausaufgaben gemacht haben, werden zur Seite gerückt, um eine Bühne aufzubauen, Requisten und Kostüme werden angeschleppt, ein paar Kinder wiederholen nochmal ihren Text... es ist Theaterproben-Zeit. Statt Mathe, Englisch und Naturwissenschaften stehen für die nächste halbe Stunde Schneewittchen und ihre neidische Stiefmutter, die sieben Zwerge, Gestik und Mimik auf dem Programm.

Aber von Anfang an: Das Zentrum für soziale Initiativen Nadez ist eine lokale Nichtregierungsorganisation, die ihren Sitz in Shuto Orizari hat. Shuto Orizari ist ein Stadtteil Skopjes, der Hauptstadt Nord-Mazedoniens. Die Mehrheit der Menschen, die in Shuto Orizari, oder auch kurz Shutka, leben, werden der ethnischen Bevölkerungsgruppe der Roma zugeordnet. Tatsächlich gilt Shuto Orizari als Europas größte Roma-Siedlung und die einzige Roma-Siedlung weltweit, die selbstorganisiert ist, das heißt zum Beispiel einen Bürgermeister aus der Roma-Community hat und in der Romani neben Mazedonisch, die zweite Amtsprache ist. Insgesamt ist die Roma-Community in dem Vielvölkerstaat Nord-Mazedonien aber eine Minderheit und macht laut den Zahlen der letzten Volkszählung etwa 2% der Bevölkerung aus.

Die Roma-Community ist Europas größte Minderheit. Gleichzeitig treffen Menschen aus der Roma-Community häufig leider überall in Europa aber immer noch auf viele Vorurteile und daraus resultierende Benachteiligung und Diskriminierung.

Auch in Nord-Mazedonien sehen sich viele Menschen aus der Roma-Community erschwerten Bedingungen für ihre soziale Teilhabe an der Gesellschaft gegenüber. In Shuto Orizari sehen sich Menschen häufig Schwierigkeiten gegenüber angemessene Arbeit und verlässliche Perspektiven zu finden, aufgrund von Diskriminierung und verminderten Bildungschancen. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie in der Schule auf Mazedonisch unterrichtet werden, zuhause aber häufig nur Romani sprechen.

Das Zentrum für soziale Initiativen Nadez hat sich vorgenommen, die soziale Integration benachteiligter Gruppen, insbesondere Roma und Kinder und Jugendlichen, durch Bildung zu stärken. Deshalb arbeiten sie seit über zwanzig Jahren in Shuto Orizari und anderen Regionen Nord-Mazedoniens. Zu ihren Arbeitsfeldern gehören soziale Arbeit und Unterstützung bei der Wahrnehmung sozialer Rechte, Unterstützung von Jugendlichen beim Einstieg in die Arbeitswelt und der Berufsfindung, ein Kindergarten, in dem die Kinder auf die Schule vorbereitet werden, in dem sie zum Beispiel Mazedonisch üben und ein Bildungszentrum, in welchem täglich etwas mehr als hundert Kinder Hilfe mit den Hausaufgaben und Unterstützung beim Lernen erhalten.

Dieses Bildungszentrum ist nun seit zehn Monaten mein Arbeitsplatz. Dreimal pro Woche komme ich im Rahmen meines Freiwilligen Friedensdienst, den ich bei den Organisationen Forum Ziviler Friedensdienst und Zentrum für Soziale Intiativen Nadez absolviere, hierhin, um mit den Kindern zusammen Mathe, Englisch, Lesen und Schreiben und vieles mehr zu üben. Ein Jahr lang ermöglicht mir meine Entsendeorganisation pax christi Aachen hier mit dabei zu sein. Ich könnte mir keine Arbeit vorstellen, die mir mehr Spaß machen könnte. Die Kinder sorgen mit ihren einzigartigen Persönlichkeiten, ihrer Energie, ihren Ideen und Liebenswürdigkeit dafür, dass jeder Tag ein neues kleines Abenteuer wird und ich lerne unglaublich viel von ihnen und der Arbeit.

Im Februar 2019 haben mir meine beiden Einsatzstellen, das Büro von Forum Ziviler Friedensdienst, wo ich die restliche Zeit meines Freiwilligendienstes verbringe und das Zentrum für Soziale Initiativen Nadez, angeboten, neben der alltäglichen Arbeit im Bildungszentrum ein eigenes Freiwilligenprojekt durchzuführen. Dieses Projekt wurde von Forum Ziviler Friedensdienst und pax christi Aachen unterstützt.

Meine Idee war, dass ich gerne mit den Kindern Theater spielen wollte. Also bildeten wir mit Kindern aus der dritten bis zur sechsten Klasse ein Theatergruppe und entwickelten mit ihnen unser eigenes Theaterstück. In der Ausarbeitung des Stückes bestimmten die Kinder selbst mit, wie es aussehen sollte. Sie suchten das Thema aus und brachten ihre Ideen ein, wie das Theaterstück aussehen sollte. So kamen wir schließlich darauf das Märchen 'Schneewittchen' auf die Bühne zu bringen. Allerdings nicht in der traditionellen Fassung, wie die meisten sie kennen. Unser Schneewittchen war moderner – und hatten einiges zu sagen. Da das Thema Bildung und auch traditionelle Geschlechterrollen und frühe Heirat direkt präsent in dem Umfeld der Kinder ist, brachten wir diese Themen in das Stück ein. So verläuft unser Stück so, dass unser Schneewittchen gar keine Lust hat, den Haushalt der sieben Zwerge alleine zu führen, nur weil sie ein Mädchen ist. Stattdessen handelt sie mit den Zwergen aus, dass sie sich die Aufgaben teilen werden und sie ihnen Lesen und Schreiben beibringt. Auch muss Schneewittchen nicht von dem Prinzen gerettet werden -  sondern sie rettet ihn aufgrund ihr Wissen um Medizin, als aus Versehen er den vergifteten Apfel isst. Schlussendlich weigern sich die zwei auch zu heiraten, da sie viel lieber erst zur Universität gehen möchten und der Höhepunkt für viele Zuschauer*innen war sicherlich die Idee der Kinder, dass der König, die sieben Zwerge und die Stiefmutter, die sich mittlerweile mit Schneewittchen vertragen hatte, am Ende eine Fussballmannschaft gründeten.

Wir arbeiten an diesem Theaterstück mehr als drei Monate bis wir dann Ende Mai und Anfang Juni bereit waren es aufzuführen und eine richtige kleine Tournee veranstalteten. Die erste Aufführung fand im Zentrum für soziale Initiativen vor Eltern und den anderen Kindern statt. Anschließend statteten wir der deutschen Botsschaft in Skopje einen Besuch ab und zeigten auch dort unser Theaterstück. Das Finale fand dann schlussendlich im American Corner Skopje statt für das wir mit vielen Kindern einen Ausflug in das Stadtzentrum machten und viele verschiedene Gäste eingeladen hatten.

Die Kinder haben viel Zeit und Engagement in das Projekt reingesteckt und waren zu Recht sehr stolz auf sich selbst und das was sie geschafft hatten am Ende. Und ich habe durch dieses Projekt viel gelernt in vielen verschiedenen Bereichen und bin sehr dankbar dafür, dass das Zentrum für Soziale Initiativen mir die Möglichkeit dazu gegeben hat, ein solches Projekt durchzuführen und Forum Ziviler Friedensdienst und pax christi Aachen mir so viel Unterstützung gegeben haben.

 

Ovsasti! (Danke auf Romani)

 

 

 

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